Rob Lynch – 24.07.2016

Mit „Baby, I’m A Runaway“ hat der britische Musiker Rob Lynch wohl das Sommeralbum des Jahres veröffentlicht. Aber wer ist eigentlich Rob Lynch? 2013 wäre die Frage wohl noch berechtigt gewesen. Mittlerweile steht Rob Lynch aber bei „Grand Hotel van Cleef“ unter Vertrag, war mehrmals in Deutschland auf Tour, spielte sogar die Vans Warped Tour und das Slam Dunk Festival, hat zwei Alben veröffentlicht und sich eine treue Fangemeinde erspielt. Wir haben uns in Köln mit ihm getroffen und ein bisschen über seine Musik, das Touren und seine Pläne nach der Musikkarriere gesprochen. Wer Rob Lynch noch nicht kennt, sollte dies dringen ändern!


Heute ist dein letzter Tag auf Tour in Deutschland. Wie hast du die Tour wahrgenommen?

Es war großartig. Ich war zwar nur eine Woche hier aber es war trotzdem etwas besonderes für mich. Ich habe nie zuvor eine Solo Headliner-Tour gespielt. Deshalb war er es auch für mich eine neue Erfahrung, du kannst es nicht mit einer Band Tour vergleichen. Ich habe in Hamburg ein Konzert auf einem Dach gespielt. Bei Sonnenuntergang! Das war unglaublich.

Du als Brite bist bei dem Deutschen Label „Grand Hotel van Cleef“ unter Vertrag, die deine Musik in Deutschland, Österreich und der Schweiz veröffentlichen. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe meine erste EP auf einem kleinen independent Label veröffentlicht, welches einem Freund von mir gehörte. Und Benjamin vom „Grand Hotel van Cleef“ wurde Fan von diesem Label. Der Besitzer des Label entschied sich aber leider dazu es nicht fortzusetzen, also haben wir eine Abschiedsshow organisiert und Ben kam extra dafür nach London geflogen. Ich habe die Nacht auch gespielt und nach der Show kam er zu mir und meinte: „Ich liebe deine Musik und ich könnte mir vorstellen, dass sie super zu dem Label passt für das ich in Deutschland arbeite.“ Ich war eher passiv eingestellt und meinte nur: „Ja cool, bestimmt.“ Dann haben wir uns tatsächlich den nächsten Tag getroffen und ein bisschen geredet. Der Rest ging dann schnell. Sie haben mich für eine Tour eingeladen und ich habe mein erstes Album dort veröffentlicht. Und jetzt sitzen wir hier, 3 Jahre später, mein zweites Album ist gerade bei ihnen erschienen, sie haben unser Interview organisiert und gleich trinke ich mit Ben ein Bier (lacht).

Da du gerade schon deine erste EP abgesprochen hast. Bevor du als Rob Lynch Musik veröffentlicht hast, warst du unter dem Namen „Lost On Campus“ musikalisch aktiv. Wie kam es, dass du wieder auf deinen Geburtsnamen umgestiegen bist, um Musik zu machen?

Der Name war eine Referenz an meine Zeit als Student. Ich erinnere mich noch, als ich über den Campus gelaufen bin und keine Ahnung hatte wo überhaupt irgendwas ist und jemand fragte „Oh, lost on campus?“. Ich dachte mir sofort, dass es ein cooler Name wäre um darunter Musik zu veröffentlichen. Aber ich bin auch relativ zügig aus dem Namen raus gewachsen, also habe ich ihn hinter mir gelassen. Ich habe übrigens letztes Jahr, mit 29 Jahren, auch mal meinen Abschluss in Philosophie gemacht.

Unter „Lost on Campus“ sowie als Rob Lynch waren alle bisherigen EP’s und dein Debut Album Solo Veröffentlichungen. Das hat sich ja jetzt bei „Baby, I’m A Runaway“ geändert. Rob Lynch ist jetzt quasi eine Band. Wie lief der Aufnahmeprozess ab? Habt ihr das Album auch als Band geschrieben oder hattest du die Songs schon im Kopf und meintest nur „Hey Schlagzeuger: spiel dies und du Bassist: spiel das!“?

Nein, ich war gar nicht so der Kontrollfreak im Studio. Wir haben vorher zusammen geprobt und getourt und da entstanden auch die Ideen wie die Songs als Band klingen sollen. Wir hatten das Album quasi fertig bevor wir ins Studio gegangen sind. Jeder wusste wie es sich anhören muss. Es war anstrengender als alleine aufzunehmen, das kann ich nicht abstreiten, aber es hat auch verdammt viel Spaß gemacht.

Aber fühlt es sich komisch an, die Lieder, die ihr als Band aufgenommen habt, nun alleine zu spielen?

Nein, gar nicht. Ich habe die Songs ursprünglich nur auf einer akustischen Gitarre geschrieben. Der Band Sound kam erst später dazu. Nun ist es spannend wieder zu den Wurzeln der Songs zurückzukehren und sie dem Publikum so zu präsentieren wie ich sie geschrieben haben.

Bevorzugst du es Solo auf Tour zu gehen oder mit Band?

Ich mag beides. Aber man kann dies auch nicht pauschalisieren, es hängt immer von der Tour ab. Ich genieße es beide Optionen zu haben, die wenigsten Musiker können sich aussuchen ob sie alleine oder mit Band auf Tour gehen.

Ich habe vor ein paar Monaten mit einem Singer-Songwriter aus Bosten [Brian Marquis] sowie einem einem Musiker aus Deutschland [Elm Tree Circle] über dieses Thema gesprochen. Beide meinten, dass alleine auf Tour zu gehen sehr viel angenehmer und spannender ist. Man spart sich die Zeit immer das Equipment aufbauen zu müssen und ein Soundcheck mit einer Gitarre geht auch deutlich schneller. Die gewonnen Zeit konnte man dann nutzen um die Länder und die Städte, in denen man gespielt hat, besser kennen zu lernen.

Das war bestimmt Brian Marquis, oder?! (lacht) Der ist ein sehr guter Freund von mir! Er ist ein viel größer Sightseeing Fan als ich. Aber um mal kurz vom Thema abzuweichen, Brian hat mich damals auf die Vans Warped Tour nach Amerika geholt, dafür bin ich ihm sehr, sehr dankbar.

Kommen wir zurück auf dein Album „Baby, I’m a Runway“ zu sprechen. Du vereinst sehr viele Einflüsse auf dem Album, angefangen bei Collage Rock über ein bisschen Pop-Punk bis hin zum Folk Rock. Welche Künstler haben dich inspiriert?

Die Frage fällt mir jetzt gar nicht so leicht zu beantworten. Ich höre sehr viel verschiedene Musik. Als ich jünger war, habe ich mich immer gefragt wie ich die Essenz der Songs eingefangen bekomme, die ich liebe. Und das habe ich auch hier versucht. Ich habe früher viel „R.E.M.“, „Third Eye Blind“ und ähnliches gehört. Die Wahrnehmung dieser Musik hat sich einfach bei mir eingebrannt und ist über die Jahre mit mir gewachsen.

Wir suchen neben großen Bands die den Künstler beeinflusst haben auch immer nach unbekannteren Bands, die es noch zu entdecken gilt. Welche Band kannst du uns empfehlen?

Hör dir unbedingt „The Gospel Youth“ an! Ein guter Freund von mir ist Teil der Band, sie haben sich vor etwas über einem Jahr gegründet. Es ist ziemlich cooler, emotionaler Pop-Rock.

Im Musik Video zur Single „Prove It!“ machst du eine Menge Sport. Was machst du in einer Freizeit für Sport?

Freizeit?! Ich habe ja kaum Freizeit, aber manchmal laufe ich oder spiele Fußball. Aber so sportlich wie in dem Video wird man mich mein ganzes leben wohl nicht mehr sehen (lacht). Würde ich keine Musik machen, wäre ich aber wohl von Beruf professioneller Surfer. Ich kann nicht surfen und habe es nie probiert. Aber ich will am Strand und im Meer abhängen, aber nicht in England. Ich denke in Brasilien wäre es cool. Vielleicht lerne ich nach meiner Karriere als Musiker zu Surfen (lacht).

Was können wir denn musikalisch noch von dir erwarten, bevor du den Wellen nachjagst?

Ich werde viel mit dem neuen Album touren. Ich werden Ende des Jahres zurück nach Deutschland kommen, diesmal mit der ganzen Band. Wenn wir dann fertig sind mit der Tour geht es an Album Nr. 3.

Viele Dank für das Interview!

Das Interview mit „Brian Marquis“ und „Elm Tree Cricle“ findet ihr hier: http://pop-punks.de/brian-maqruis-elm-tree-circle-29-03-2016/