06-11-15 Anti-Flag Dortmund

22 Jahre gibt es die Polit-Punks von Anti-Flag nun schon und das die Jungs aus Pittsburgh in all den Jahren nichts an ihrer Bissigkeit verloren haben, beweist das jüngst erschienen Album “American Spring”, welches ein guter Grund für die Band ist nochmal ausgedehnt durch Europa zu Touren. Sieben elektrische und drei akustische Shows innerhalb von 14 Tagen stehen für Anti-Flag auf dem deutschen Tourplan und gerade die elektrischen Shows haben es in-sich, denn man Support Bands hat man nicht gegeizt und mit “The Homeless Gospel Choir”, “Trophy Eyes” und “Red City Radio” ein Line-Up zusammengestellt, welches jedes Punkrock-Herz höher schlagen lassen dürfte.

Als gegen 19:00 Uhr Derek Zanetti, bekannt als “The Homeless Gospel Choir” die Bühne betritt ist das Dortmunder FZW noch nicht sonderlich gefüllt. Nur mit Akustik Gitarre beginnt Zanetti seine Songs vorzutragen, dabei ist jedes Lied, wie in den Ansagen betont wird, ein Protestsong. Musikalisch erinnert das ganze Teilweise an die Kollegen von “The Front Bottoms”, denn der Humor kommt nicht zu kurz. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, hat der Zynismus in den Texten einen so bitteren Beigeschmack. Zanetti lässt kein gutes Haar an Amerika, an den Medien und der aktuellen Politik, scheint damit aber den Geschmack des Publikums genau zu treffen, welche über die komödiantischen Einlagen lachen, bei ernsten Ansagen zustimmen nicken und nach den Songs wohlwollen applaudieren.

Als zweites sind die Pop-Punker von Trophy Eyes an der Reihe, die wohl unpolitischste Band des Abends. Ist die Reaktion im Publikum zu Beginn des Sets noch eher verhalten, kämpft die Band um das Publikum und beginnt es immer wieder von neuem zum klatschen, springen und pogen zu motivieren. Spätestens beim dritten Lied geht die Rechnung auf und ein erste Circel-Pit öffnet sich, welcher sich bis zum Ende des Auftrittes konstant vergrößern sollte. Trophy Eyes sind eine Band, die man als Easycore Fan definitiv im Auge behalten sollte, trotzdem bleib bis zum Ende des Auftritts das Gefühl, dass die Band in einen kleinen Club besser funktionieren würde, als auf einer Bühne die durch einen Graben vom Publikum getrennt ist.

Als letzte Vorband war es Red City Radio dann ein leichtes, dort weiterzumachen wo Trophy Eyes aufgehört haben. Während sich bei Trophy Eyes eher die jüngeren Fans vor der Bühne tummelten, drückten sich jetzt eher die älteren Fans in die vorderen Reihen. Vermutlich hätten Red City Radio auch auf eigenen Headliner Tour gehen können, denn wenn im Publikum die Fäuste gereckt wurden und das Publikum im lauter als die Band “Together we can burn this fucking city to the ground“ singt, könnte man sich fragen, ob die Leute nicht vielleicht nur für Red City Radio gekommen sind.

Schließlich ist es aber an der Zeit für Anti-Flag. Ohne große Showeinlagen betritt die Band die Bühne, stimmt „Turncoat“ an und verwandelt das FZW von der einen auf die anderen Sekunde in eine politische Großraum-Party. Dominierten bei Trophy Eyes die jüngeren Fans vor der Bühne und bei Red City Radio die älteren feiern nun alle zusammen. Und Anti-Flag liefern den Soundtrack dazu. Gut 70 Minuten wird sich mit einer Energie durch eine Setlist aus neuen und alten Lieder gespielt, die den Fans kaum eine Zeit zum durchatmen lässt. Neben all der Energie, welche Anti-Flag in die Musik stecken, darf aber auch natürlich nicht das soziale Engagement fehlen. Als gegen Ende das Konzert kurz unterbrochen wird, damit  “Amnesty International” für ein lokales Flüchtlingshilfe-Projekt werben kann, werden “refugees are welcome here”- Chöre angestimmt. Und als hätte die Band nicht schon genug Tempo mit dem Konzert vorgelegt, werden die letzten beiden Lieder “Die For The Goverment” und “Drink, Drank, Punk” im Publikum gespielt, was das Publikum komplett ausrasten lässt.

Anti-Flag sind eine der wenigen Bands, die es schaffen in fast jedem Text die Ungerechtigkeit der Welt zu besingen, das negative besingen, aber trotzdem dem Publikum Mut machen, dass man die Welt doch im kleinen verändern kann, so dass man als Besucher am Ende des Abends sagen kann, dass man verdammt viel Spaß hatte. Mit verdammt guter Musik von vier verdammt guten Bands.